«Das Versprechen» Ausstellung von Samuel Haettenschweiler im Zuger Kantonsspital

Seit Juni 2019 zeigt das Zuger Kantonsspital in einer eigenen Galerie das aktuelle Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern aus der Zentralschweiz. Die bisherigen Ausstellungen führten das Publikum auf ganz unterschiedliche Weise an existenzielle Fragen heran: Federica Gärtner erkundete das Zufällige, Pat Treyer und Patricia Jacomella-Bonola richteten den Blick auf die Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens. Philipp Ehgartner, Stephan Wittwer, Nils Nova und Monika Kiss Horváth wiederum widmeten sich Farbe und Licht. Ihre Werke erzeugten meditative Stimmungen und traten mit der Zuger Landschaft vor den grossen Fenstern in einen stillen Dialog, deren wechselnde Lichtverhältnisse sich hier beinahe minütlich beobachten lassen. 

Auch für Samuel Haettenschweiler (geboren in Zug, wohnhaft in Zürich) ist die Farbe Ausgangspunkt seiner Arbeit. Die Ausstellung «Das Versprechen» vereint mehrere neue Werkgruppen aus dem Jahr 2026. Besonders eindrücklich verdichten sie sich in einer Serie grossformatiger, kreisrunder Bilder. Sie zeigt exemplarisch, wie der Künstler Farbe als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen untersucht. Die gewählten Farbtöne stammen weder aus der Naturbeobachtung noch aus dem Atelier, sondern aus einem ganz anderen Kosmos: den Farbkarten eines Discounters (siehe Bild mit Farbkarte «Mountain Air»). Der Künstler liess sie industriell mischen und anschliessend auf kreisrunde Leinwände spritzen – mit derselben Technik, mit der Autos lackiert oder Möbelstücke gestrichen werden. 

Die Bilder sind ungefähr so gross wie ein erwachsener Mensch. Wer vor ihnen steht, wird beinahe vollständig von einer einzigen Farbe umfangen. Für einen Moment scheint sie den gesamten Raum einzunehmen, als bestünde die Welt nur aus diesem einen Ton. Beim Näherkommen tritt ein weiteres Element hervor: Im Siebdruck ist jeder Farbe ein eigener Name zugeordnet: – Sunday Sky, Innocent Blue, Prestige Grey… Er verspricht Stimmungen, Sehnsüchte und Lebensgefühle und stammt aus der Sprache des Marketings. 

So geraten die monochromen Kreise zu Bildern unserer Gegenwart. Welche Instanzen entscheiden eigentlich darüber, welche Farben wir als schön, modern oder begehrenswert empfinden? Entstehen solche Vorlieben aus unserer eigenen Wahrnehmung – oder werden sie von Marktanalysen, Trends und Werbestrategien geformt? Weshalb löst ein bestimmter Farbname in uns Erwartungen aus, lange bevor wir die Farbe selbst betrachten? Und würden wir dieselbe Farbe anders benennen, wenn wir frei wählen könnten? 

Samuel Haettenschweilers Werke geben auf diese Fragen keine Antworten. Sie schaffen vielmehr einen Raum, in dem wir sie uns selbst stellen. Aus industriell produzierten Farbtönen werden Bilder von überraschender Präsenz und stiller Intensität. Sie lenken den Blick auf das scheinbar Selbstverständliche und machen bewusst, wie eng Wahrnehmung, Sprache und Konsum miteinander verwoben sind. Während wir uns in ihren Farben verlieren, beginnen wir zugleich über die Mechanismen nachzudenken, die unsere Vorstellungen von Schönheit und Geschmack prägen. Genau darin liegt die Kraft dieser Arbeiten: Sie verwandeln das Sehen in ein Nachdenken über die Welt.

Vernissage: Donnerstag, 17. September 2026, 17.30 – 19.00 Uhr 

Begrüssung: Dr. Matthias Winistörfer, Spitaldirektor 
Einführung: Susann Wintsch, Kuratorin 
Der Künstler ist anwesend. 

Ausstellung 
18. September 2026 bis 7. März 2027 
Zuger Kantonsspital, Landhausstrasse 11, 6340 Baar, Foyer, Ebene 1 

Samuel Haettenschweiler, Mountain Air, Fotografie 70 x 50 cm, 2026
Kunst im Spital

Ausstellung "Das Versprechen"

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